Digitales Wellbeing (DEEP! #013)

Auch in deiner Podcast App verfügbar:

Digitales Wohlbefinden – Wie wir in digitalen Welten gesund bleiben

Ich erinnere mich an meine Studienzeit zurück, in der mein Computer kaputtging und ich kein Geld hatte, um mir einen neuen zu kaufen. Das war eine Zeit, in der Smartphones noch nicht völlig verbreitet waren und ich gehörte zu den Spätzündern bei den Smartphones. Warum? Das erzähle ich euch später. Zurück zum Computer: Ich hatte also in meinem Zuhause nur bedingt Zugang zu einem internetfähigen Gerät – für jemanden, der nächtelang Computerspiele spielt, im Internet surf, Filme streamt und überhaupt schon immer sein Leben im Internet verbracht hat – ein blanker Horror.

Ich musste zum Lernen also in die Uni gehen und abends meine Zeit mit anderen Dingen verbringen. Es war eine ungeheuer wertvolle und produktive Zeit, ich las Bücher, schrieb Musik und lernte mehr für die Uni. Mein Learning war also ziemlich offensichtlich. Ich lasse mich von meinem Gerät und vom Internet steuern. Es bestimmt mein Leben mehr, als dass ich es kontrolliere. Würde ich eine Balance erreichen können, wäre mein Leben viel produktiver, einfacher, besser. Ich bin früher ins Bett gegangen und habe besser geschlafen, dass letzte was meine Augen sahen, waren ein Fantasy Roman.

Nun hatte ich dann irgendwann ein neues Gerät. Was denkst du, habe ich mich langfristig gebessert? Ich bin wieder in dieselben Muster verfallen, wie zuvor. Das führt mich zum heutigen Thema. Wie können wir in einer Gesellschaft voller Technologien gesund und ablenkungsfrei leben?

In unserer heutigen immer mehr remote-gesteuerten Welt sitzen wir mehr Stunden vor Bildschirmen als je zu vor. Ich habe irgendwann eine Statistik gelesen, dass wir vor einigen Jahren etwa 30% unserer Zeit an unseren Geräten verbringen. Wir verbringen anscheinend mittlerweile 90% unserer Lebenszeit am Laptop, Smartphone, Tablet oder anderen smarten Produkten.

Zusammen mit der Zeit, die wir im Privatleben mit der Nutzung von Technologie verbringen, starren wir also leicht die meiste Zeit unseres wachen Lebens Pixel an. Technologie ist ja erstmal etwas eher neutrales und es kommt auf die Nutzung an. Ich meine Hey, wir hier bei Betaphase sind ja offensichtlich große Fans von Technologie und Digitalen Trends – aber ich möchte hier auch mal das Brot brechen für das Thema Gesundheit in der Digitalen Welt. Als studierter Medienwissenschaftler weiß ich, dass viele von uns davon ausgehen, dass wir unsere Geräte kontrollieren. Die Wahrheit ist, dass Technologien uns kontrollieren. Ja, wir nehmen Befehle entgegen: “Lad mich auf. Check meine Benachrichtigung. Wie viel sind wir heute gelaufen?” Du kennst den Drill. Aus vermeintlichen Gesundheitsgründen entwickeln die Großen Internetanbieter Apps, mit denen wir unsere Bildschirmzeit überwachen und einschränken können. Ich möchte heute nicht den Schwerpunkt auf Googles und Androids Bemühungen machen, aber generell zeigt es ja, dass das Thema allgemein großen Anklang findet.

Die gesundheitlichen Auswirkungen auf unsere Technologienutzung

Während die Technologie selbst im Großen und Ganzen neutral ist, kann die Art und Weise, wie wir sie nutzen, Auswirkungen auf unser Energieniveau, unsere Stimmung und unser soziales Engagement haben. In vielen Berichten kannst du über die potenziell negativen Auswirkungen der übermäßigen Bildschirmnutzung auf unsere psychische Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden lesen – sei es aus der Sorge heraus, dass die sozialen Medien direkte Auswirkungen haben könnten, oder einfach, weil uns die Bildschirmzeit von anderen gesunden Aktivitäten abhält. Der Schlüssel ist, sich bewusst mit seinem digitalen Wohlbefinden zu beschäftigen. Daher wollen wir uns in diesem Podcast auch praktische Tipps anschauen, mit denen du dein digitales Wohlbefinden besser steuern kannst.

Was genau meine ich mit Digital Wellbeing oder digitalem Wohlbefinden?

Wohlbefinden wird definiert als die Fähigkeit, mit den Belastungen des Lebens umzugehen, sich an schwierige Umstände anzupassen und zu gedeihen. Digitales Wohlbefinden ist das Ausmaß, in dem wir diese Dinge in unserem digitalen Leben tun können. Digitales Wohlbefinden kann also definiert werden als die Fähigkeit, mit Online-Stress umzugehen, gesunde digitale Verhaltensweisen an den Tag zu legen und unsere Technologien auf eine Weise zu nutzen, die uns hilft, erfolgreich zu sein. Das Streben nach einer bewussten und gesunden Beziehung zur Technologie, sowohl am Arbeitsplatz als auch im Privatleben.

Tipps und Tricks für digitales Wellbeing

Es gibt zum Glück einige Dinge, die man tun kann, um einen gesunden Umgang mit unserer Technologie zu pflegen. Ich möchte euch ein paar davon heute vorstellen.

Detox-Challenges mit Partnern

Zu meinen Studi-Zeiten habe ich mich oft mit Mitbewohnern zusammengehockt und Challenges durchgeführt – wir haben gemeinsam einen Monat gemeinsam auf Fleisch verzichtet, keinen Alkohol getrunken oder uns auf wöchentliche Sport-Sitzungen verpflichtet.

So ein Detox-Programm kannst du auch mit Arbeitskollegen oder deinem Partner zu Hause starten. Unterhaltet euch über eure Beweggründe für die Challenge, eure Ziele und vereinbart eine gemeinsame Challenge. Ich könnt die folgenden Tipps zusammen durchgehen, denn ich finde, dass vieles mit einem Partner in Crime erträglicher wird.

Wie viel Zeit verbringst du mit deinen Geräten?

Du hast sicher auch schonmal neugierig nachgeprüft, wie viel Zeit du auf Instagram oder anderen Apps verbracht hast? Das kannst du mit allen Apps machen, die du verwendest, sowie mit der Nutzung deines Smartphones und deines Laptops insgesamt.

Liste doch mal auf, für was du im Leben deine Geräte verwendest. Was ist essentiell für deine Arbeit? Was nicht? Das Bewusstsein zu schaffen, ist der erste Schritt in Richtung digitales Wohlbefinden. Im Anschluss kannst du deine Verwendungszeiten für bestimmte Apps und Webseiten künstlich limitieren lassen. Du kannst ja mal schauen, ob das für dich funktioniert, ich kann mir aber gut vorstellen, dass du konzentrierter und produktiver wirst, wenn du es wirklich durchziehst.

Das Gerät abschalten

Wann hast du dein Handy das letzte Mal ausgemacht, nicht um Akku zu sparen oder weil die Batterie leer ist? Klappst du nach der Arbeit den Laptop zu oder planst du dein Privatleben noch mit deinem Online-Tool und machst weiter Recherche auf Webseiten?

Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit, finde mehr Möglichkeiten, eine Pause einzulegen.

Und Abends dann Netflix? Ich muss dir ehrlich gestehen: Ich habe mein Handy nie aus, für Deepwork Phasen lege ich es manchmal in einem anderen Raum oder verstecke es, damit es nicht sofort zugänglich ist, aber ich tue es dann auch nur für Produktivität und nicht für die Gesundheit. Aber ich denke hin und wieder die Geräte auszumachen und beim Spaziergang das Handy zu Hause zu lassen sind mal ein Babysteps in Richtung digitales Wellbeing. Klingt doch machbar, oder? Das führt mich direkt zu meinem nächsten Tipp: Ablenkungen minimieren.

Ablenkungen minimieren

So effizient wir auch mit unseren Technologien sein können und wollen, so sehr können sie uns doch auch in den Weg kommen. Wer sich mit Deepwork und generell mit Produktivität auseinandersetzt, und ich bin mir sicher, dass tun viele meiner Hörer da draußen – dann hast du sicher schonmal dein Handy wie ich irgendwo versteckt oder es ausgemacht?

Sorge dafür, dass die Technologie dich nicht von dem ablenkt, was für dich wichtig ist.

Es gibt eine tolle App für dein Smartphone, die dir hilft, dich weniger ablenken zu lassen, sie heißt Forest App. Wenn du sie anstellst, dann signalisierst du der App dann quasi, dass du dich jetzt im Arbeits-Modus befindest und dein Handy nicht verwendest. Solange du es still liegen lässt, wächst ein kleiner digitaler Baum in deinem Handy heran – Gamification für dein Wellbeing! Was kann uns noch wichtig sein, außer die Arbeit? Vielleicht kennst du auch folgende Situation: Du hast dich mit einem engen Freund verabredet und nun sitzt ihr da im Café und mitten im Gespräch vibriert das Handy deines Gegenübers. Nach kurzen Hinblinzeln greift er es, um “kurz zu antworten”. Du sitzt für 5 Minuten lang da und wartest. Dann legt er das Handy weg. “Wo waren wir gerade?”. Reizt dich das auch? Oder bist du eher der Freund, der schnell mal am Handy verschwindet, tippt oder telefoniert? Ich bin selbst nicht der konsequenteste Mensch, aber wenn ich mich verabredet, dann landet mein Handy in der Tasche und ist stummgestellt (oder wird zumindest eiskalt ignoriert, wenn es vibriert). Nichts ist so wichtig, dass es nicht für deinen Augenblick mit einem Freund warten kann.

Social Media und Metaverse

Die sozialen Medien sollten uns miteinander verbinden, und das haben sie in vielerlei Hinsicht auch getan, aber man kann auch sagen, dass sie uns dazu gebracht haben, einsamer und distanzierter denn je zu sein. Interaktionen über soziale Netzwerke meiner Meinung nach nicht so authentisch oder befriedigend wie Beziehungen in der realen Welt. Social-Media-Nutzer glauben oft, dass sie über soziale Netzwerke mit Freunden oder der Familie in Verbindung stehen, aber in Wirklichkeit sind sie zu Hause und allein.

Wir haben vor einigen Folgen über die Möglichkeiten des Metaverses gesprochen.

Auch hier kommt es zu virtuell-sozialen Interaktionen, aber kommt es dabei zu echten menschlichen Beziehungen. Soziale Erfahrungen im Metaverse können sich durch den Einsatz von Technologie realer anfühlen, aber ähnlich wie bei den heutigen digitalen Erfahrungen kann man sich dennoch alleine fühlen. Echtes menschliches Engagement und Verbindung ist ein wichtiger Aspekt unseres Lebens und unseres psychischen Wohlbefindens, der mit oder ohne Metaverse aufrechterhalten werden muss.

Das Metaversum und die psychische Gesundheit

Digitale Medien helfen uns, vom Stress des Lebens zu fliehen und eine Menge Spaß machen, aber zu viel ist problematisch für unsere psychische Gesundheit und kann unter anderem Depressionen, Reizbarkeit, Stress und mehr auslösen.

Bei meiner Recherche bin ich allerdings auch auf eine ganz ungeahnte Nutzung von VR- und AR gestoßen. Und zwar gibt es Therapeuten die mit Hilfe von VR und AR verschiedene psychischer Probleme wie PTBS, Phobien und verschiedenen Angststörungen sowie bei Wahnvorstellungen und Halluzinationen behandeln. Die Technologie hat auch die Art und Weise revolutioniert, wie wir professionelle Hilfe suchen und in Anspruch nehmen können, aber auch die Unterstützung durch Freunde, Familie oder völlig Fremde. Es gibt Virtual-Reality-Firmen, die an Anwendungen für mentales Wohlbefinden in diesem Bereich arbeiten, und es gibt viel Aufregung über die potenziellen Vorteile, die diese Technologie für unser Wohlbefinden haben kann; es ist also nicht alles düster.

Es muss noch viel mehr geforscht werden, um zu verstehen, auf welche Weise das Metaverse unsere Stimmung und unser Verhalten beeinflussen kann und wird. Bleiben wir gespannt.

Fazit

Mit den Tipps und Tricks können wir uns an unseren Alltag anpassen. Aber ist es genug, wenn wir uns an ein paar simple Verhaltensregeln halten? Ich glaube, damit kommen wir schon ein ganzes Stück weiter, wenn es um eine gesunde Beziehung zu unserem digitalem Leben geht. Und genau diese Beziehung werden wir dringend brauchen, denn unser Leben wird ja nicht gerade weniger digital. All diese Virtual und Augmented Reality Technologien in Verbindung mit Metaverse Konzepten und virtuellen Blockchain Welten warten nur noch darauf, von uns besiedelt zu werden. Doch die Technologien können uns vielleicht sogar helfen, gesünder zu werden und sogar Traumata zu überwinden.

Das wars auch schon wieder für heute.

Hast du auch was zu sagen und Bock auf eine Folge mit uns?

Schreib uns eine Nachricht an podcast@betaphase.blog. Wir freuen uns, von dir zu hören!