No- & Low-Code: Das Ende der Programmierer? (DEEP! #012)

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Low Code & No Code – Brauchen wir bald keine Programmierer mehr?

Am Anfang des Jahres in der Folge zu den digitalen Trends 2022 haben wir unter anderem über Low- und No Code gesprochen. Das Thema bietet sich an, um es ein wenig tiefer zu beleuchten, denn Low- und No Code wird sich in Zukunft immer mehr durchsetzen und eine Reihe von Vorteilen für nicht-Entwickler bieten und auch für Unternehmen, denen Programmierer zu teuer für ihre Software-Projekte sind. In dieser Folge gehe ich nochmal darauf ein, was Low- und No Code ist, was es dir bringt und welche Plattformen du dir heute bereits anschauen kannst, um diesen vielversprechenden Trend selbst zu testen und davon zu profitieren.

Die Frage ist, ersetzen No Code Plattformen unsere heutigen Programmierer? Programmierer und Software-Ingenieure sind für unsere digitalen Infrastrukturen unentbehrlich. Bislang wir kein einziges Digitalprojekt ohne sie umsetzen. Doch durch Konzepte wie Low-Code könnte sich das ändern. Am Ende der Folge werde ich mit dir die Frage klären, ob Programmierer nun bald abdanken können oder ob sie Zukunft in unserer digitalisierten Welt haben werden. Bist du bereit? Steigen wir ein und schauen uns nochmal an, was Low-Code benau bedeutet.

Was ist Low-Code vs No-Code

Low-Code-Plattform ist Software, die mit einem “geringen” Programmieraufwand vollständig angepasst werden kann. Anwender benötigen nur wenige Kenntnisse in Programmiersprachen. Doch selbst das völlige Laien ohne Kenntnisse können nun Anwendungen bauen und zwar mit “No-Code-Software” No-Code hebt das Low-Code-Konzept auf eine andere Ebene und ermöglicht es buchstäblich jedem, eine Anwendung ohne jegliche Programmierkenntnisse zu entwickeln und an seine Bedürfnisse anzupassen.

Viele dieser No-Code Plattformen sind App-Builder, doch es gibt eine Reihe von anderen Anwendungen, mit denen du andere Dinge, als Apps bauen kannst. Wir werden sie uns später genauer ansehen.

Im Falle eines App-Builders siehst du eine grafische Oberfläche und kannst Designelemente einfach per Drag & Drop einfügen und so deine eigene Anwendung bauen, ohne den eigentlichen Code dahinter anzufassen. Zugegeben, ein Gefühl für Ästhetik und eine Idee für eine App, brauchst du dennoch, aber immerhin hindert dich dein fehlendes Progammierwissen nicht an der Umsetzung.

Die Grenzen zwischen No und Low Code sind jedoch fließend, da auch No-Code oft ein Backend anbietet, wo du dich mit Programmierkentnissen austoben kannst. Daher werde ich die Begriffe für einen besseren Sprachfluss abwechselnd verwenden, außer ich meine wirklich gerade einen speziellen Vorteil oder eine bestimmte App.

Vorteile von No- und Low Code

Die Möglichkeiten von No- und Low Code bringen eine ganze Menge Vorteile mit sich.

Denn das Ganze ist natürlich wahnsinnig praktisch für alle, die keine oder nur wenige Vorkenntnisse im Programmieren haben. Mitarbeitende benötigen lediglich eine kurze Schulung und können loslegen.

Hinzu kommt, dass herkömmliche Codes schwerer verständlich sind, was bedeutet, dass die Fehlersuche viel Zeit in Anspruch nimmt. Low-Code und No-Code sind leichter zu verstehen und daher ist es einfacher, Fehler in der Anwendung zu erkennen und zu beheben. Geschulte Mitarbeitende können also schneller entwickeln, als Programmierer es bei herkömmlichen Apps tun können. Die höhere Geschwindigkeit bei der Softwareentwicklung ermöglicht kürzere Veröffentlichungszyklen und einen Vorsprung vor der Konkurrenz. Mit kürzeren Release-Zyklen können wir Software leichter an ändernde Anforderungen angepasst werden.

Schauen wir uns die Vorteile nochmal zusammengefasst an und warum du No Code für dich bzw. dein Unternehmen in Erwägung ziehen solltest.

Es eignet sich für Nicht-Programmierer: Nicht-technische Benutzer können die Plattformen leicht nutzen, da sie nur minimale oder gar keine Programmierung erfordern. Um eine Benutzeroberfläche zu erstellen, können grafische Elemente wie Schaltflächen und Text direkt in einem grafischen Editor zusammengestellt werden.

Einfach zu verstehen: Herkömmliche Codes sind schwer zu verstehen, was bedeutet, dass die Fehlersuche viel Zeit in Anspruch nimmt. Low-Code und No-Code sind leichter zu verstehen und daher ist es einfacher, Fehler in der Anwendung zu erkennen und zu beheben

Erhöhte Agilität und kurze Release-Zyklen: Die höhere Geschwindigkeit bei der Softwareentwicklung ermöglicht kürzere Veröffentlichungszyklen und einen Vorsprung vor der Konkurrenz. Mit kürzeren Release-Zyklen kann die Software leicht an sich ändernde Anforderungen angepasst werden.

Erhöhte Produktivität und Geschwindigkeit: Weil Code schneller angepasst, getestet und verstanden werden kann, erhöht sich dabei natürlichweise auch die Produktivität und Geschwindigkeit in der Softwareentwicklung

Lernbarkeit: Programmierer müssen ihre Kunst für einige Jahre trainieren und ständig auf dem Laufenden bleiben, was Programmiersprachen angeht. No Code Plattformen können von jedem Mitarbeitenden gelernt werden, die ein gewisses technisches Verständnis, logisches Denken und ein Auge für Ästhetik mitbringen.

Kosten: Da Apps schneller entwickelt werden können und nicht mehr zwingend eine Reihe von teuren Entwicklern bezahlt werden muss, können Unternehmen eine Menge Geld sparen, wenn es darum geht, interne Anwendungen zu entwickeln.

elDer Bereich Low-Code/No-Code erfährt dank der vielen oben genannten Vorteile ein starkes Wachstum. Können jetzt also alle Programmierer zusammenpacken? Low- und No-Code sind keine Überflieger und bringen auch Nachteile mit sich. Die schauen wir uns jetzt auch mal an:

Eingeschränkte Flexibilität: Bei herkömmlichen Codes können die Entwickler die Software in beliebigem Umfang anpassen, während Low-Code und No-Code auf die integrierten Funktionen der Plattformen und der Plugins angewiesen sind. Wenn eine bestimmte Funktionalität nicht vorgesehen ist, kann es für das Entwicklungsteam schwierig sein, die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen.

Sicherheit und Risiko: Mit einer Low-Code- und No-Code-Projekte bist du in punkto Sicherheit von deinem Plattformanbietern abhängig. Sie sind dafür verantwortlich, um Sicherheitslücken zu schließen. Wenn diese Plattformanbieter aufgelöst werden, gibt es keine Sicherheitsupdates und dein Unternehmen kann die Probleme nicht selbst beheben.

Bindung an den Anbieter: Je mehr ein Unternehmen in die Nutzung einer bestimmten Low-Code-/No-Code-Plattform investiert, desto schwieriger ist es, zu einer anderen Plattform zu wechseln. Dies erhöht die Abhängigkeit des Unternehmens von einem einzelnen Anbieter.

Was sind bekannte Beispiele für Low-Code-Plattformen, die du dir heute bereits anschauen kannst?

Websitebuilder

Beliebte Websitebuilder wie Wix, Squarespace und auch der Elementor Builder in WordPress benötigen gar keinen Code zum Aufbau deiner Website – wer tiefer einsteigen möchte, kann aber auch mit HTML und CSS arbeiten – Webflow ist auch ein bekannter No-Code Websitebuilder, den du ausprobieren kannst, wenn du ein wenig Designverständnis mitbringst, aber nicht programmieren möchtest.

Eines meiner persönlichen Lieblingstools eignet sich auch für codefreie Webentwicklung, kann aber noch viel mehr: Ich spreche von Notion. Ein Tool, mit dem du ganze Arbeitsbereiche komplett nach eigenen Maßstäben aufbauen kannst, je nachdem wie du es baust, kann es ein Projektmanagent-Tool, ein Taskmanager, ein CMS, Content Marketing Planner, alles zusammen und vieles mehr sein.

Mit der All-in-One-Marketingplattform von Mailchimp führst du Umfragen durch startest, Social-Media-Kampagnen und kategorisierst Kundendatenbanken. Mailchimp bietet auch eine Reihe von Integrationen ohne Code mit Software wie Square und LiveChat, so dass alles easy automatisiert werden kann.

No-Code-App Builder

No-Code beseitigt auch die Hindernisse bei der Softwareentwicklung. Mit Bubble erstellst du eigene Anwendung, ohne irgendwelche Programmiersprachen kennen zu müssen.

Mit dem No-Code-App-Builder kannst du per Drag & Drop visuelle Elemente zu einer voll funktionsfähige App zusammenstellen. Ich denke die Welt der No-Code-App Builder ist eine eigene Welt für sich, und gerade hier liegt wohl auch der große Wert von No-Code, denn mit solchen Anwendungen können Unternehmen eigene App-Entwickler mit wenig Training ausbilden, ohne, dass sie dafür teure Entwickler einstellen müssen. Weitere Apps dieser Art sind Adalo, Glide, Stacker und Bravo Studio, aber es gibt noch unglaublich viele dieser Plattformen auf dem Markt. Wenn du interessiert daran bist, interne oder externe Anwendungen zu entwickeln, dann solltest du dich definitiv selber etwas umschauen.

Automatisierungstool

Last but not least gibt es Tools wie Zapier, die für Startups, Teams, Abteilungen und ganze Organisationen interessant sind. Zapier ist eine No-Code Plattform, mit denen du Datenverbindungen und Workflows automatisieren kannst. Mit einer extrem einfachen bedienoberfläche stellst du Automationen ein, beispielsweise kannst du eintreffende Mails automatisch als Todo in Trello ablegen, wöchentliche Reports bei Slack posten und ganz viele andere Arbeitsabläufe immens erleichtern, da du nur einmal den Ablauf festlegen musst und er dann automatisch stattfindet. Eine etwas günstigere Alternative zu Zapier ist Make, welches allerdings auch weniger Integrationen mit anderen Apps anbietet.

Fazit

Der Bereich Low-Code/No-Code erfährt dank der vielen oben genannten Vorteile ein starkes Wachstum. Können jetzt also alle Programmierer zusammenpacken? Naja, der IT Bedarf ist so viel höher, als er je gedeckt werden könnte. Auf einen neuen Programmierer fallen 5 neue Projekte. Dazu kommt: Low-Code ist ein bisschen wie ein guter Bausatz für Anzüge. Programmierer sind wie Meisterschneider, die dir einen Anzug erschaffen, der wie eine zweite Haut sitzt und genau deinen Wünschen entspricht. Das wird es in Zukunft immer noch geben. Und wer sich in Zukunft die Bausätze anschauen wird, wird auch bemerken: Apps zu entwickeln ist trotzdem kein absolutes Kinderspiel, ja es wird durch NoCode EINFACHER, aber kein Klacks. Du musst dennoch viele Dinge bedenken: Deine App muss nutzerfreundlich sein, komplexe Aufgaben erledigen und natürlich ein reales Problem in der Welt lösen können. Dazu gehören Tests und agiles Vorgehen, damit du ein Produkt zur Marktreife entwickeln kannst. Programmierer haben diese Dinge von der Pieke auf gelernt und besitzen damit Skills, die nicht nur mit dem Programmieren selbst zu tun haben, logisches Denken, agiles Arbeiten und Denken in Lösungen zum Beispiel. Nichts desto trotz würde ich dir empfehlen, dich näher mit dem Thema zu beschäfigen, vielleicht möchtest du kein NoCode-Anwender werden, aber Angestellte in deinem Unternehmen.

Letztlich hängt die Entscheidung für eine Low-Code- oder No-Code-Plattform von den Zielen und Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens ab. Einige sehen darin eine Annäherung zwischen IT und Unternehmen, aber da gehen die Meinungen auseinander. Was ist deine Meinung? Schreib mir gerne eine Mail an podcast@betaphase.de und wir kommen ins Gespräch.

So, das wars auch schon wieder für heute. Ich hoffe, ich konnte dir das Thema NoCode und LowCode heute näher bringen. Schalte nächste Woche wieder ein und abonniere unbedingt diesen Kanal, wenn es dir gefallen hat! Bis dahin machs gut, Ciao.

Outro

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